Die Müllverbrennungsanlage


Ich bin ganz oben angekommen. Etwas außer Puste. Etliche Stufen der Metalltreppe habe ich hinter mir gelassen und bin nun fast direkt unter dem Dach der großen Halle.
Vor mir liegt eine Art “Brücke”, links und rechts ein Geländer, der Boden ist aus Lochgitter. Um auf die andere Seite zu kommen, muss ich hier drüber laufen.
Ich atme kurz durch und laufe los. Konzentriere mich. Einen Fuß vor den anderen. Unter mir geht es 20m in die Tiefe. Durch das Gitter unter meinen Füßen kann ich gradewegs hinab blicken. Das macht mich durchaus etwas nervös..
Plötzlich bleibt ein Bein meines Stativs in einem der Löcher des Gitters hängen und verhakt sich. Ich stolpere kurz und kann mich grade noch so am Geländer halten.
Puh. Das hat mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt.
Ich befreie den Stativfuß und kann weiter laufen. Noch vorsichtiger als bisher…
Am Ende angekommen blicke ich noch einmal zurück und lasse die enormen Ausmaße dieser Anlage auf mich wirken.

Es gab so viel zu entdecken!
In der ersten Halle waren diese unfassbar tiefen und großen Schächte. Hier haben riesige Greifer den Müll sortiert und in die Tiefe geworfen.
Unter dem Greifer fühlt man sich plötzlich so winzig klein. Dort war auch der Steuerstand für die Kräne zu finden. Sehr interessant….habe es mir auch nicht nehmen lassen mal kurz Platz zu nehmen ;)
Im Keller der Anlage waren unzählige verzweigte Gänge, Trafos, Leitungen, Müllsortieranlagen, Rüttelbänder, Wasserbecken mit unidentifizierbaren Flüssigkeiten…

Ich arbeite mich weiter. Von Halle zu Halle. Drei Stunden bin ich schon hier. Wahnsinn wie die Zeit vergeht.
Plötzlich wird es Dunkel. Diese Halle hat keine Fenster. Dunkelheit und Stille.
Ich schwenke meine Taschenlampe umher und entdecke etwas absolut eindrucksvolles!!
Was das wohl gewesen war? Schaut euch die Bilder an…ihr werdet es erkennen!

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Diese Müllverbrennungsanlage ging nie richtig in Betrieb. Aktuell wird Sie, nach 20 Jahren Leerstand, abgerissen. Daher ein wenig zur Geschichte:

Nach der Inbetriebnahme 1997 traten zahlreiche technische Probleme in der Anlage auf, wie z. B. Materialstau, Softwareausfall und Schwelgasfreisetzung.
1998 wurde von Seiten des Betreibers nochmals nachgebessert, doch beim Probelauf kam es zum entscheidenden Störfall, der das Aus für die Anlage bedeutete:
Ein Metallgeflecht im Müll führte zu einem Materialstau, in der Folge wurde eine Schweltrommeldichtung zerstört, so dass giftiges Schwelgas austrat und 73 Personen in und um die Anlage verletzt wurden.
Nach dieser Pannenserie musste die Schwelbrennanlage – nur ein Jahr nach Inbetriebnahme – 1998 außer Betrieb genommen werden.

 

Diese Fotos wurden mit folgendem Equipment aufgenommen: Ausrüstung